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Klassische Musik und Oper von Classissima

Edvard Grieg

Sonntag 29. Mai 2016


Crescendo

9. März

Der unheimliche Pianist - Lucas Debargue: Der unheimliche Pianist

CrescendoWährend andere jahrelang an ihrer Technik feilten, studierte Lucas Debargue lieber Literatur und saß an Supermarktkassen. Nur – er hat die anderen längst abgehängt.Als spätberufener Senkrechtstarter überraschte Lucas Debargue im vergangenen Sommer Jury und Publikum beim renommierten Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Mit seinem virtuosen, energiegeladenen Klavierspiel kam der unkonventionelle Franzose aus dem Stand auf den vierten Platz und erhielt den Preis der Musikkritiker. In den Feuilletons wird seither fleißig an einem neuen Mythos gestrickt. Denn Debargue begann erst mit elf Jahren zu spielen, rührte dann als Teenager jahrelang kein Instrument mehr an, studierte Literatur und verdiente sein Geld zeitweise als Kassierer im Supermarkt. Kein Wunderkind, dafür ein Autodidakt, dessen Genialität fast etwas Unheimliches anhaftet? Etliches von dem, was über ihn geschrieben wurde, verweist Debargue ins Reich der Fabel. „Ich habe keineswegs allein und nur nach Gehör zu musizieren angefangen“, erklärt der Pianist, inzwischen 25 Jahre alt, während er eindringlich durch seine Brille mit schwarzem Rand blickt. Seine erste Lehrerin in der nordfranzösischen Stadt Compiègne, Madame Meunier, half ihm dabei, seinen Weg als Künstler zu finden. Doch erst vier Jahre vor dem Tschaikowsky-Wettbewerb begann er, sich ernsthaft auf eine professionelle Karriere vorzubereiten. Seitdem wird er von der erfahrenen, russischen Klavierpädagogin Rena Shereshevskaya betreut. Im Grunde lasse sich Musik aber nicht lehren, davon ist Lucas Debargue überzeugt. Klavierspielen könne man sich nur selbst aneignen, allerdings nicht ohne ständigen geistigen Austausch mit anderen. Shereshevskaya machte ihn fit für Moskau, wo er unter anderem mit Ravels vertrackter Tondichtung Gaspard de la nuit, Beethovens Siebter Klaviersonate und Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 Beifall einheimste. Zu seinem Repertoire gehörte auch eine Sonate des selbst in seiner Heimat Russland selten gespielten Komponisten Nikolai Medtner. Schirmherr Valery Gergiev war derart überzeugt, dass er den Viertplatzierten entgegen aller Regeln beim Galakonzert der Preisträger auftreten ließ. Führt er seit dem Wettbewerb ein anderes Leben? Debargue, der jetzt viele Konzerte gibt und in Berlin bereits sein zweites Soloalbum aufgenommen hat, muss nicht lange nachdenken. „Rein äußerlich hat sich alles verändert, in meinem Inneren dagegen nicht. Die Suche nach Klarheit und das Bedürfnis weiterzukommen, all dies ist geblieben. Die vielen Menschen um mich herum zu ertragen, ist weitaus schwieriger, als sich auf die Musik zu konzentrieren. Aus der Musik schöpfe ich immer wieder neue Kraft.“ Mit entschlossener Stimme formuliert Debargue Erkenntnisse, die kaum je einen Moment des Zweifelns zulassen. Er strebe nach „clarté“, einer Klarheit des Ausdrucks, die ihm dabei helfe, sich in dieser Welt zu verorten, bekennt er. „Ich spüre das Bedürfnis, meine Erfahrung mit den Dingen in einem Minimum eindeutiger Worte zu konzentrieren. Das hilft mir bei der Suche nach einer klaren Form, in der ich als Interpret die Inhalte der Musik vermitteln kann.“ Manch einer hat sich gefragt, wie er so blitzartig in den Klavier-Olymp aufsteigen konnte. „Anfangs war ich erschrocken, als man mich fragte, wie ich das geschafft hatte“, gibt er zu. „Doch was spricht dagegen, dass es im Leben nicht auch mal rasch vorangehen kann? Letztlich kommt es doch auf die Legitimität des eigenen Tuns an.“ Auf seiner ersten, im April erscheinenden CD, die bei einem Recital im Pariser Salle Cortot aufgenommen wurde, präsentiert Debargue ein breit gefächertes Repertoire, von Sonaten des Barockkomponisten Domenico Scarlatti über Werke von Schubert, Chopin, Liszt, Grieg und Ravel bis hin zu eigenen Improvisationen. Für die Zukunft hat er sich unter anderem die Zweite Klaviersonate des Polen Szymanowski vorgenommen – „ein geniales Stück, aber auch ein Monstrum für einen Pianisten“. Jahre bevor er Klavierspielen lernte, entdeckte Debargue mit Mozart die klassische Musik. „Der Film „Amadeus“ hat mich absolut fasziniert. Später begann ich mich für Bach und dann vor allem für Rachmaninow, Prokofjew und Skrjabin zu interessieren.“ Unter den Franzosen sind die Romantiker Emmanuel ­Chabrier und Georges Bizet seine größten Favoriten. „Zwei Genies, die viel zu früh verstorben sind. Meiner Ansicht nach sind sie wichtiger als Ravel und Debussy.“ Der größte Komponist pianistischer Werke bleibt für ihn allerdings Chopin. „Er hat ein Universum für das Klavier geschaffen. Leider sind viele aktuelle Interpretationen viel zu beliebig. Jeder meint heute zu wissen, wie man ein Rubato spielen sollte. In Wirklichkeit kommt wenig dabei heraus. Lieber höre ich mir ältere Aufnahmen an, etwa Chopins Dritte Ballade, gespielt von Rachmaninow. Unglaublich!“ Als Klavier-Fetischist sieht sich Debargue aber nicht. „Eigentlich liegt mir gar nicht so viel an diesem Instrument. Es dient mir hauptsächlich dazu, Musik zu machen. Auch in Zeiten, in denen ich nicht spiele, ist mir die Musik immer nahe.“ Vor Auftritten habe er stets Lampenfieber, gibt er zu. „Die ersten fünf Minuten eines Konzerts sind besonders heikel. Man muss einen kühlen Kopf bewahren und sollte keine Experimente wagen. Wenn diese fünf Minuten überstanden sind, kann eigentlich nichts mehr passieren.“ Corina Kolbe Lucas Debargue: Scarlatti,Chopin,Liszt,Ravel Sony Classical (Sony Music)

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9. März

57 leichte Vortragsstücke für Klavier - 09.03.2016

Twelsiek: Mein erstes Konzert - Ausgabe mit CD - Präsentiert werden kleine Werke großer Komponisten, darunter Bach, Händel, Haydn, Mozart; Beethoven, Chopin, Schumann, Grieg, Tschaikowsky, Bartók und Orff. Neben diesen berühmten Namen gibt es eine Fülle von Entdeckungen. kleine Meisterwerke, die den bekannteren Werken durchaus ebenbürtig sind. Die Stücke sind nach Epochen und innerhalb...




Crescendo

24. November

Auf einen Kaffee mit… Campino - Campino

Campino, Sänger der Band Die Toten Hosen, begab sich erneut in die Welt der klassischen Musik als Sprecher des neuen Kinderalbums „Peter und der Wolf in Hollywood“. Außerdem erscheint dieser Tage eine Aufnahme aus dem Oktober 2013, als die Toten Hosen und das Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf drei Konzerte in der Tonhalle Düsseldorf gaben. Unter dem Titel „Willkommen in Deutschland“ wollten die Musiker an die Reichsmusiktage und die Ausstellung „Entartete Musik“ im Ehrenhof 75 Jahre zuvor erinnern.Campino, in „Peter und der Wolf in Hollywood“ übernehmen Sie alle Stimmen selbst: vom Erzähler über Peter bis hin zu den Tieren. Wie spricht man eine Ente? Quakig. Man probiert aus und geht gerade so weit, dass es nicht lächerlich wird. Als Erzähler musst du tonal in einem gewissen Rahmen bleiben und trotzdem müssen sich die Stimmen unterscheiden. Meinem Vogel zum Beispiel hatte ich am Anfang einen Sprachfehler verpasst. Irgendwann kam ich aber darauf, dass ich vielleicht der einzige sein könnte, der darüber lacht. Deshalb habe ich das revidiert. Mit den Stimmen zu spielen, hat mir am meisten Spaß gemacht. Anfangs hatte ich noch Respekt und fand es komisch, den Märchenonkel zu geben. Doch je länger ich las, umso besser kam ich rein. Als die Deutsche Grammophon Sie fragte, ob Sie ihr Märchen-onkel sein wollen – wie war Ihre erste Reaktion? Ich kenne „Peter und der Wolf“ noch aus meiner Kindheit. Deshalb wollte ich zuallererst wissen, ob es gelingt, die Geschichte in die Jetztzeit zu holen. „Peter und der Wolf in Hollywood“? Das fand ich zunächst seltsam. Ich wollte den klassischen Stoff in keiner Weise angreifen. Aber das ist letztlich auch nicht passiert. Ich war erfreut zu entdecken, dass für die Rahmenhandlung weitere Musik mit großer Liebe ausgewählt wurde, von Wagner, Schumann oder Grieg. Dann habe ich die Zeichnungen für die App gesehen, die es zum Hörspiel gibt. Das ist alles mit sehr viel Liebe und Leidenschaft gemacht und zieht die Kinder so in den Stoff, wie es sein sollte. Sie wachsen nunmal mit iPads auf und sehen auch ihre Eltern ständig am Computer. Sergei Prokofjew wollte in seiner Version Kindern Instrumente erklären. In der Adaption lernen Kinder auch noch andere Komponisten kennen. Wie gefällt Ihnen das? Mich macht das glücklich. Ohne pädagogisch wertvoll sein zu wollen, wird die Musik unterschiedlicher Komponisten wie kleine Appetithäppchen serviert. Wenn das den Kids gefällt, haben sie die Möglichkeit, sich näher damit zu befassen. Musik ist etwas unglaublich Schönes. Aber man kann niemanden zu seinem Glück zwingen. Ich würde davon abraten, das mit „Peter und der Wolf in Hollywood“ zu versuchen. Man kann etwas anbieten, und wenn die Kinder es nehmen, darf man sich freuen. Aber man muss ihnen den Raum geben, Musik selbst zu entdecken. Wie sind Sie mit klassischer Musik in Berührung gekommen? Wir waren immer eine musikalische Familie, meine Mutter leidenschaftliche Sängerin in einem Düsseldorfer Chor, meine Schwester Balletttänzerin unter Choreografen wie John Neumeier oder Marcia Haydée. Als ich zehn war, kam meine Mutter zu mir und sagte: Da wird eine Musikschule eröffnet, schau doch mal, welche Instrumente dich interessieren könnten. Ich habe geantwortet: Du weißt doch, ich finde Schlagzeug am besten. Das wurde leider nicht angeboten, da hat sie mich zum Trompetenkurs angemeldet. Und die Beziehung zwischen Ihnen und der Trompete …? Ich habe sie nie zum Leben erwecken können. Meiner Mutter zuliebe habe ich vier Jahre lang gespielt. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, ihr zu sagen, dass das nicht mein Instrument war. Den Höhepunkt meiner Karriere hatte ich alljährlich beim St.-Martins-Umzug. Ansonsten habe ich einsam meine Übungen durchgezogen. Auf eine solche Art und Weise kommt natürlich keine Magie auf. Magisch wird Musik erst, wenn du auf einen Haufen Gleichgesinnter triffst, mit denen du dann zusammen spielst. Kam die Trompete noch mal zum Einsatz? Bei meiner ersten Band ZK habe ich die Trompete noch so manches Mal ausgepackt. Ich mochte die Londoner Band X-Ray Spex sehr gern, die einen festen Saxofonisten hatte. Das war für mich der Beweis, dass auch Blasmusik die Rockmusik nicht verwässern muss. Aber irgendwann hat mich genervt, dass Musiker immer dann, wenn sie nicht mehr weiterwussten, angefangen haben, mit Bläsersätzen zu arbeiten. Das war für mich ein Zeichen. Da habe ich die Trompete dann weggelegt. Und wie hat Ihre Mutter reagiert, als Sie die Klassik sein ließen und Punkmusiker wurden? Dass es mit der Trompete nichts wurde, war keine allzu große Enttäuschung. Sie goutierte, dass ich es vier Jahre lang probiert hatte. Punkrock war eine andere Geschichte: Meine Mutter war Engländerin. Sie fühlte sich von den Texten genauso angegriffen wie die englische Gesellschaft: Anarchy in the UK oder If it ain´t stiff, it ain´t worth a fuck, das Labelmotto von Stiff Records, das ich auf der Jacke stehen hatte. Das war der Beginn einer Eiszeit. Meine Verwandtschaft in England durfte ich für mehrere Jahre nicht besuchen. Doch ich hatte mir Punk nicht ausgewählt, weil ich gegen meine Eltern oder irgendwas anderes war. Ich liebte einfach die Musik. Die Haltung dahinter hatte also zunächst weniger Bedeutung? Die kam erst mit der Zeit. Ich war schon immer sehr musikaffin. Mit fünf, sechs Jahren brachte mich mein großer Bruder nur ins Bett mit Hang on sloopy von The McCoys oder I´m her yesterday man von Chris Andrews. Als 1975 die erste AC/DC-Platte erschien, war ich ihrer Musik verfallen. Fast zur selben Zeit kam schon der Punkrock. Ich hatte Lust auf das Aggressive. Lieder abzuschießen, nicht länger als zwei, drei Minuten lang – das war für mich genau das Richtige. Wie sind Ihre ersten eigenen Songs entstanden? Mit unserer ersten Band ZK hatten wir gar keine andere Wahl, als unsere eigenen Songs zu schreiben. Wir waren einfach zu schlecht, um andere Bands zu covern. Das hörte sich so grauenhaft an, dass wir unsere eigene Musik erfinden mussten. Die Punkbewegung war für uns eine unglaubliche Chance. Die Maxime lautete: Hör auf, Helden zu verehren, mach es selber. Hier sind drei Akkorde, gründe eine Band. Und wie wird aus drei Akkorden heute Musik? Indem man herumspielt. In meinem Kopf war immer schon ein Haufen von Melodien. Ich habe keine Ahnung von Notenlehre, aber wenn ich eine Melodie höre, fällt mir sofort eine Harmonie oder eine Gegenmelodie ein. Wer hilft Ihnen dabei, die Melodien zu verarbeiten? Kuddel, unser Gitarrist. Wir haben über die Jahre unsere eigene Sprache entwickelt. Kuddel kam als Fünfzehnjähriger zu ZK in den Proberaum. Die Band gab es drei Jahre und wir hatten immer Probleme mit den Gitarristen. In der Szene hatte einfach keiner Lust, mit uns zu spielen. Aber irgendwann hieß es einmal: Es gibt da einen Jungen, den könnt ihr gut gebrauchen. Er war noch nie in einer Band und ist Linkshänder. Das war unsere erste Begegnung. Was Musik angeht, verstehen wir uns blind. Er weiß exakt, was ich meine. Und wenn nicht, haben wir die Geduld, uns so lange zuzuhören, bis wir das ausgetüftelt haben. Hören Sie heute klassische Musik? Ich höre alles. Ich habe keine Lust, ein Genre zu verdammen oder zu verherrlichen. Arvo Pärt gehört zu meinen Lieblingskomponisten. Das ist ein ganz moderner, sehr ruhiger Klassiker. Da gehen einzelne Stücke manchmal über fünfzehn Minuten. Superzeug. Ich höre aber auch gerne Reggae, Ska oder elektronische Musik. Das Schönste am Älterwerden ist, dass man sich von selbst gesteckten Grenzen verabschiedet. Für mich gibt es nur noch zwei Arten von Musik: diejenige, die mich anspringt, und die andere, bei der das nicht klappt. Ich nehme mir das Recht heraus, AC/DC zu hören, danach eine alte ABBA aufzulegen, um schließlich in die Klassik zu gehen. Die Schönheit eines Orchesters, das Zusammen-arbeiten von über hundert Seelen – das ist etwas Unglaubliches. Interview: Kai Schächtele Campino: Peter und der Wolf in Hollywood Deutsche Grammophon (Universal Music)



Crescendo

13. Juli

Fortuna wacht übers Sommernachts-Gefühl - 15 Jahre Klassik am Odeonsplatz in München

Den Cocktail in der Hand, das Sitzkissen unterm Arm: Schick gekleidete Menschen plaudern fröhlich in der Pause, in den umliegenden Gebäuden drängt man sich an den Fenstern – und dann erschallt Carls Orffs „O Fortuna“ und alle sind gebannt.Da macht es nichts, wenn bei den folgenden Pianostellen der „Carmina Burana“ fröhliches Klatschen naher Fußball-Übertragungen herüber schwappt oder ein Donnergrollen vom Himmel tönt: Die Stimmung ist gut, auf die absoluten Hör-Feinheiten kommt es beim Open Air nicht so sehr an, und Fortuna hat in Sachen Wetter offenbar ein Wort mitzureden, denn der Sonntagabend bleibt sommerlich warm und trocken. Seit seiner Premiere im Jahr 2000 ist „Klassik am Odeonsplatz“ nicht mehr wegzudenken aus dem Münchner Kultursommer – insgesamt strömen nunmehr seit 15 Jahren alljährlich über 16.000 Menschen in die beiden Konzerte auf den Odeonsplatz und lassen sich begeistern von der beinahe mediterranen Atmosphäre, vom sommerlichen Flair Münchens. Die Feldherrnhalle dient dabei als luxuriöses Orchesterpodium, das mit wechselnden Farbspielen stimmungsvoll illuminiert wird. Dabei flankierten die überdimensionalen Löwen schon große Dirigenten wie Lorin Maazel und Mariss Jansons, aber auch Solisten wie Lang Lang, Rolando Villazón und Thomas Hampson. Residenz und Theatinerkirche machen den stilvollen Rahmen des Open Air-„Konzertsaals“ perfekt, dazu kommt eine achtbare Akustik, die freilich schon ab den mittleren Reihen abnimmt. Aber wie gesagt: Das ist hier nicht so wichtig. Viel eher, dass es bei diesem Klassik-Event weniger Berührungsängste zu geben scheint – und (etwas) moderatere Kartenpreise. Jedenfalls ist das Konzertpublikum bei Münchens größtem jährlichem Klassik-Open-Air deutlich jünger strukturiert als sonst. Was als Millenniumskonzert zur deutsch-französischen Aussöhnung im Jahr 2000 begann, ist aus dem Münchner Konzertkalender heute nicht mehr wegzudenken. Zumal hier nicht nur Klassik-Häppchenkost mit teuren Stars und eher beiläufiger Orchesterbegleitung geboten wird, sondern beide Konzerte mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (mit Star-Geigerin Julia Fischer als Solistin am Samstag) und den Münchner Philharmonikern das Beste präsentieren, was die Landeshauptstadt orchestral zu bieten hat. Bleiben wir bei letzteren: Am Pult der hervorragend gelaunten Münchner Philharmoniker steht am Sonntagabend der junge polnische Dirigent Krzystof Urbanski, derzeit amtierender Musikdirektor des Indianapolis Symphony Orchestra und erster Gastdirigent des Tokyo Symphony Orchestra. Kein junger Hitzkopf, sondern ein wohlüberlegt, straff und strukturiert denkender Künstler, der angenehm dezent wirkt und wenig auf die große Geste achtet. Dafür kostet er die rhythmischen Feinheiten der „Carmina Burana“ ebenso aus wie die „Knalleffekte“ der wohl berühmtesten Partitur des vor 120 Jahren in München geborenen Carl Orff, dessen Werke etwa am hiesigen Nationaltheater so schmerzlich auf dem Spielplan fehlen. Handverlesen und in jeder Faser beeindruckend die Solistenbesetzung: Daniela Fally, bekannt aus Wien, Bregenz und Salzburg, ist als Koloratur-Spezialistin bei Orffs Sopran-Solo in der „Carmina“ bestens aufgehoben – ebenso wie Benjamin Bruns, der den „gebratenen Schwan“ (das „Solo für Fisteltenor“) herrlich auskostet. Die Stimme des Abends aber gehört Jochen Kupfer, dem Bariton, der in Nürnberg als Beckmesser gefeiert wurde: Weich und vielschichtig klingt sie, das Timbre wirkt schon jetzt unverwechselbar. Kein Wunder, dass es tosenden Applaus für die Münchner Odeonsplatz-„Carmina“ gibt – mehr noch als für die zuvor gespielte Grieg‘sche Peer Gynt-Suite Nr. 1 und die „Romeo und Julia“-Ouvertüre von Tschaikowskij, deren musikalische Strukturen im Open Air-Klang ein wenig verwässern. Barbara Angerer-Winterstetter

Crescendo

10. Juli

Klassik am Odeonsplatz – Spanische Nacht - Klassik am Odeonsplatz – Spanische Nacht

Zum 15. Jubiläum der sommerlichen Konzertreihe „Klassik am Odeonsplatz“ feiert das Publikum am Samstag, 11. Juli 2015 mit dem Chor und dem Orchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Pablo Heras-Casado in München eine musikalische „Spanische Nacht“. Das Konzert wird von BR-KLASSIK live im Hörfunk, im Bayerischen Fernsehen und per Video-Livestream im Internet übertragen.Am 2. Konzertabend präsentieren die Münchner Philharmoniker mit dem Dirigenten Krzysztof Urbanski ein Programm mit Werken von Edvard Grieg, Peter Tschaikowsky und Carl Orff, das BR-Klassik im Rahmen der Festspielzeit am Mittwoch, 5. August 2015, um 18.05 Uhr ausstrahlt. Vom „Duft der Nacht“ erzählt Claude Debussys Orchesterwerk „Ibéria“. Diesen musikalischen Wohlgeruch kann auch das Publikum bei „Klassik am Odeonsplatz“ genießen, wenn Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks sowie der in Granada geborene Dirigent Pablo Heras-Casado zur „Spanischen Nacht“ einladen. Unter diesem Motto steht der 1. Abend des beliebten Klassikevents im Herzen Münchens, das dieses Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiert. Mit Julia Fischer wurde dafür nicht nur eine der gefragtesten Geigerinnen der Welt gewonnen, sie ist auch eine waschechte Münchnerin. Im Jahr 2000 war sie selbst noch Zuschauerin bei der ersten Ausgabe von „Klassik am Odeonsplatz“, damals lauschte sie dem Kollegen Julian Rachlin. Jetzt steht sie zum ersten Mal selbst in der zur Bühne umfunktionierten Feldherrnhalle und spielt Sergej Prokofjews 2. Violinkonzert g-Moll, op. 63. Das besonders durch seine Virtuosität mitreißende Werk wurde 1935 in Madrid uraufgeführt. Des Weiteren sorgen neben Debussys „Ibéria“ Maurice Ravels „Alborada del gracioso“ sowie „Der Dreispitz“ und Musik aus „La vida breve“ des spanischen Nationalkomponisten Manuel de Falla für das spanische Flair dieser Nacht.

Klassische Musik und Oper von Classissima



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